home loans
home loans

Unser Freundeskreis

Hr. Haar: Englischkurse 2010
Hr. Haar: Englischtraining bei Hope for Life in Mae Sai, Thailand vom 09.11.2009 bis 24.02.2010

Das Projekt: Hope for Life - Hoffnung für Menschen in Not

Als sich mir am 10. November 2009 nach meiner Ankunft in Mae Sai die Tore der  Foundation Hope for Life öffneten, war es mir, als betrete ich ein Stück heimatlichen Bodens: dieses Gefühl war nicht nur bedingt durch den herzlichen Empfang, der mir durch die beiden Projektleiter zuteil wurde, sondern auch durch die Tatsache, dass mir dieses Hilfsprojekt durch meine beiden vorherigen Einsätze inzwischen zutiefst vertraut geworden war und mich in Gedanken auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland begleitet hatte.


 
Vor der wunderbaren Kulisse der Berge an der burmesischen Grenze, an einer der schönsten Stellen des Fruchtlandes ca. 10 km vom Ortszentrum von Mae Sai gelegen, strahlt das Ambiente der Foundation Frieden und Geborgenheit aus und reflektiert so die Zielsetzung seiner Initiatoren für die ehemaligen Straßenkinder vom Bergvolk der Akha. Erfreut konnte ich einige weitere Fortschritte zur Kenntnis nehmen, die in der Anlage während meiner Abwesenheit stattgefunden hatten: an verschiedenen Stellen vor den Bungalows befanden sich jetzt Steintische und Bänke, wo sich die Kinder mit Brettspielen vergnügen konnten; zur sportlichen Betätigung stand neuerdings eine Tischtennisplatte zur Verfügung, ein Netz für Federball, Volleyball und das thailändische Ballspiel Takraw war gespannt; zur größten Begeisterung vor allem der Jungen hatte man zudem zwei Fußballtore erworben und ein Fußballfeld angelegt  dies alles fand lebhaften Zuspruch. Beim Besuch amerikanischer Freunde und Förderer wurde während meines Aufenthalts eine Grillstelle für gelegentliche Barbecues errichtet, die dann auch standesgemäß eingeweiht wurde.
 
Als anspruchsvollere Herausforderung erwies sich die Anlage von zwei Fischteichen: da in diesem Jahr der Wasserstand selbst nach der Regenzeit extrem niedrig war und neuerliche Regenfälle ausgeblieben waren, mussten die Teiche während meiner Anwesenheit tiefer ausgegraben werden, um die dort angesiedelten Fische am Leben zu erhalten - ein aufwendiges Unterfangen, das mit Einsatz von Bagger und Traktor mehrere Tage in Anspruch nahm. Zudem musste um die Teiche ein Zaun errichtet werden, um etwaigen Unfällen  vorzubauen. Die schattenspendenden Bäume, die erst letztes Jahr gepflanzt worden waren, erfreuen sich unterschiedlicher Entwicklung; das große Rasenareal für Sport und Spiele ist begrünt und in sehr ansprechendem Zustand.

Meine Lehrtätigkeit

Zielsetzung

Bereits vor meiner Ankunft war ich über die Zusammensetzung meiner neuen Lerngruppe von den Projektleitern informiert worden. Sie konstituierte sich aus 3 jungen Damen: Deborah (17), Mi Tu (18) und Mi Nge (24) und zwei jungen Herren: Po Lu (16) und Asa (17). Deborah und Mi Tu hatten bei meinem vorherigen Aufenthalt bereits einige, allerdings sehr rudimentäre Grundkenntnisse erworben; Mi Nge, die Köchin der Foundation, war ebenfalls mit gewissen Elementen der englischen Sprache vertraut; Po Lu und Asa waren absolute Neuanfänger. 
Zielsetzung des Kurses war wieder die Bereitstellung eines soliden englischsprachigen Fundaments, das die Teilnehmer/innen in die Lage versetzen sollte, zunächst in der Foundation bei administrativen Aufgaben eingesetzt zu werden und später im Berufsleben durch ihre erhöhte Qualifikation erfolgreich zu sein.

Unterricht

Das bereits bei meinen beiden vorherigen Einsätzen erfolgreich verwendete Lehrwerk English for Life stand mir auch bei meiner erneuten Tätigkeit zur Verfügung. Der Einstieg begann bei Unit 1  Zielsetzung war die Bewältigung von 50 Units bis Mitte Februar 2010. Dieses Ziel  konnte realisiert werden. Der Unterricht erfolgte jeweils dreistündig: Montag und Freitag nachmittags (da die Teilnehmer/innen morgens eine Thaischule zu besuchen hatten), an den restlichen Werktagen vormittags.

Als nicht unproblematisch erwies sich anfänglich die Zusammensetzung der Lerngruppe. Sie verfügte nicht über die gleiche Homogenität, wie sie bei den Vorgängergruppen gewährleistet war. Während die jungen Damen, sicher bedingt durch vorherige Kontakte mit der englischen Sprache, sich durch eine relativ schnelle Auffassungsgabe und eine entsprechend zügige Umsetzung der Lerninhalte auszeichneten, hatte ich bei Po Lu und Asa zu Beginn ernsthafte Bedenken, ob sie den Herausforderungen des Sprachunterrichts gewachsen seien. Po Lu war erst kurze Zeit vor Antritt meiner Tätigkeit von Tachilek kommend in das Projekt aufgenommen worden; offensichtlich hatte er noch Integrationsschwierigkeiten und wirkte in seinem Auftreten ausgesprochen gehemmt, auch Asa, wie Po Lu Vollwaise,  konnte sich nur mit großen Schwierigkeiten artikulieren. Dies verlangsamte die angestrebte Progression in den ersten beiden Wochen erheblich. Die Entwicklung dieser beiden Schüler sowohl in ihrer Kontaktbereitschaft als auch auf sprachlicher Ebene bereitete mir jedoch mit zunehmendem Verlauf des Kurses große Freude: ihre wachsende Sicherheit und Gelöstheit im Lernprozess waren meines Erachtens entscheidend auf das ausgezeichnete Lernklima in der Gruppe und auf das bemerkenswert positive Sozialverhalten der Teilnehmerinnen zurückzuführen. Mir persönlich waren zudem beim Umgang mit den beiden einige zusätzliche Informationen, die ich vom Projektleiter über deren Hintergrund bekam, sehr hilfreich. Ich erachte es deshalb bei künftigen Einsätzen für unabdinglich, beim vorherigen Grundsatzgespräch einige wichtige Informationen über die Einzelschicksale der Teilnehmer/innen und auch über deren spezifische Fähigkeiten auf nichtsprachlichem Gebiet zu erhalten. So verfügte Asa z.B. über ein ausgesprochen handwerkliches Geschick im technischen oder gärtnerischen Bereich; Mi Nges Zeichenkünste waren bei der Wortschatzerarbeitung ebenso hilfreich wie Mi Tus spontane Gestik oder Deborahs Bereitschaft, einzelne neue Elemente in die Akha-Sprache zur Verständniskontrolle zu übersetzen.

Auf die bestehenden Lernerprobleme bin ich in meinen beiden letzten Berichten bereits ausführlich eingegangen. Nachdem ich dieses Mal begonnen habe, mir einige Grundkenntnisse in Thai anzueignen, wurde mir dadurch noch einsichtiger als bei meinen vorhergehenden Einsätzen, welch gewaltige Herausforderung das Erlernen der englischen Sprache für meine Teilnehmer/innen bedeutete. Nachdem im Thai, über dessen Kenntnisse die Lerngruppe neben der Akha-Sprache verfügte, das Wort grundsätzlich nicht flektiert wird und unverändert bleibt, also weder Konjugation noch Deklination noch Pluralformen existieren, es beim Verb keine Gegenwart-, Zukunft- und Vergangenheitsformen gibt, muss der systematische Erwerb einer völlig anders strukturierten Sprache von meinen Schützlingen als zunächst kaum lösbare Aufgabe angesehen worden sein. Dazu kamen gravierende Probleme bei der Ausspracheschulung, die bei einer Reihe uns alltäglich und völlig unproblematisch erscheinender Wörter (wie z.B. breakfast) zutage traten  bestimmte Lautkombinationen sind der Akha-Phonetik offensichtlich völlig fremd. Ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für den korrekten Spracherwerb sind zudem die von mir bereits bei meinen ersten Einsätzen angesprochenen fest verankerten falschen Strukturen, die im Unterricht in den burmesischen oder thailändischen Schulen gnadenlos eingetrichtert wurden und extrem schwierig zu therapieren sind, zumal die Schülerschaft im täglichen sprachlichen Umfeld immer wieder damit konfrontiert wird. In dieser Hinsicht wurde jede Unterrichtsstunde zur besonderen Herausforderung und oft auch zur Geduldsprobe  das schon angesprochene ungemein positive Lernklima trug sehr zur erfolgreichen Bewältigung diversester Schwierigkeiten bei. 

Insgesamt bin ich mit den mir gebotenen Leistungen und den erarbeiteten Ergebnissen zufrieden, insbesondere, was Hörverstehen und Lesekompetenz angeht  wie schon bei den vorangegangenen Kursen erwies sich der Schritt zur freien Formulierfähigkeit und zu spontaner Sprechbereitschaft als größtes Hindernis für meine Schüler/innen. Die erzielten Fortschritte waren hier unterschiedlich und erfordern bei der Fortsetzung des Kurses gezieltes Eingehen auf die individuellen Problembereiche der einzelnen Teilnehmer.

Zur Lernzielkontrolle setzte ich unter anderem eine Reihe von übungsblättern ein, die aus Vorlagen kopiert oder in Eigenarbeit erstellt worden waren. Einige Units des im übrigen von mir als ausgezeichnet beurteilten Lehrwerks mussten von mir umgestaltet werden, da sie den landesspezifischen Bedürfnissen nicht entsprachen (z.B. Unit 19  beim Thema Einkäufe, gerade für meine Lerngruppe ein sehr wichtiger landeskundlicher Bereich, war die einseitige Orientierung auf die englische Währung und europäische Produkte nicht hilfreich). Dass die gestellten Hausaufgaben nicht jedes Mal mit letzter Konsequenz erledigt wurden, war angesichts des übrigen Arbeitspensums meiner Schüler/innen verständlich und zu tolerieren  jede/r Einzelne engagiert sich leidenschaftlich und in nicht nachlassender Begeisterung für dieFoundation und das Wohl der darin lebenden Kinder. Dieses Engagement war auch mir zusätzlicher Ansporn und selbstverständliche Verpflichtung, in meinen Bemühungen des Unterrichtens nicht nachzulassen.

Umfeld und Betreuung

Die Zusammenarbeit mit Thomas und Esther Albrecht war wie in der Vergangenheit optimal. Die gelegentliche Abwesenheit von Thomas Albrecht von der Foundation, bedingt durch einen in Chiang Mai zu absolvierenden Thai-Sprachkurs, wirkte sich keineswegs negativ auf die täglichen Abläufe und unsere Kontakte aus. Untergebracht war ich wieder in dem von der Projektleitung angemieteten kleinen Haus, das etwa 8 km von der Foundation entfernt liegt. Meine Abholung zum Unterricht bzw. der Rücktransport erfolgten weitestgehend durch den bewährten Mitarbeiter der Foundation Lung Nong per Motorrad oder Pick-up. Inzwischen bin ich mit den Lebensumständen und Gegebenheiten in Mae Sai so vertraut, dass die Erfüllung der täglichen Bedürfnisse für mich bereits zur Routine geworden ist.
 

Ausblick und Schlussgedanken

Es liegt auf der Hand, dass eine Fortsetzung dieses Kurses mit der gleichen Lerngruppe unabdinglich erscheint  es sind noch 30 Units des Lehrwerks zu bewältigen und neue grundlegende Strukturen zu erarbeiten, darunter der so wichtige Unterschied zwischen simple presentund present continuous. Parallel zu dieser Gruppe könnte ein weiterer Anfängerkurs im Rahmen des jeweils dreistündigen Unterrichtsprogramms begonnen werden&

Stegaurach, am 15. April 2010

Eberhard Haar

...zurück zu den Berichten...