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Hr. Haar: Englischkurse 2009
Hr. Haar: Englischtraining bei Hope for Life in Mae Sai, Thailand vom 10.02.2009 bis 20.03.2009

Das Projekt: Hope for Life-Hoffnung für Menschen in Not

Die uneingeschränkt positive Einschätzung des Hope for Life-Projektes,die ich nach Abschluss meiner ersten Lehrtätigkeit in Mae Sai in meinem Abschlussbericht vom 02.01.2009 vornahm, wurde durch meine Erfahrungen bei meinem erneuten Einsatz für diese Stiftung eindrucksvoll bestätigt. Thomas Albrecht und seine Frau Esther sind in eine Konsolidierungsphase bei der Betreuung ihrer Heime eingetreten, d.h. die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die dort untergebracht sind und versorgt werden, ist konstant geblieben in ständiger Entwicklung befindet sich jedoch die dort gegebene Infrastruktur, die aufgrund der Vorstellungen und Pläne der Projektleiter eine permanente Verbesserung erfährt...

So wurde während meiner Abwesenheit im Januar 2009 in der Foundation ein weiterer kleiner Bungalow errichtet und der vorhandene Unterrichtstrakt, besonders im Hinblick auf eine dort im Januar abgehaltene Pastorenkonferenz, durch einen Anbau vergrößert; während meines jetzigen Aufenthalts wurde ein zusätzliches kleines Gästehaus (bestehend aus einem großen Wohnzimmer mit Küchentrakt, zwei Gästezimmern sowie einem Badezimmer mit Dusche/WC), dessen Bau ich optisch und akustisch während meines Unterrichts aus unmittelbarer Nähe verfolgen konnte, fertiggestellt. Die verschiedenen Bungalows, von Blumenrabatten umgeben, sind in einem ästhetisch höchst ansprechenden Zustand und werden perfekt gepflegt; es wurden zudem schattenspendende Bäume gepflanzt, die das Rasenareal umgeben, das teilweise als Spielplatz für die ehemaligen Straßenkinder gestaltet werden soll.

Neben dem bereits bestehenden Anbau von Reis, Süßkartoffeln, Bananen und verschiedenen anderen Obst-und Gemüsesorten werden im Augenblick zwei große Teiche für eine Fischzucht angelegt; zusätzlich ist eine kleine Entenaufzucht sowie der Halt von einigen Schweinen geplant, damit der Unterhalt der Foundation weitgehend autark von etwaigen landesspezifischen wirtschaftlich-pekuniären Problemen erfolgen kann. Ich war tief beeindruckt von der Fülle von Ideen, mit denen Thomas und Esther ihre segensreiche Tätigkeit weiterführen wollen.

Meine Lehrtätigkeit

Zielsetzung 
In einem anfänglichen Grundsatzgespräch mit den Projektleitern wurden Perspektiven für die Weiterführung meines Unterrichts sowie für künftige Entwicklungen erörtert. Die bereits bestehende Lerngruppe sah sich auf vier Teilnehmer/innen reduziert, da zwei junge Damen (Abu Joe und Mi Nym) in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt waren, um dort tätig zu sein. Für Mi Nym, die bei meinem ersten Einsatz neu zu der Gruppe gekommen war, erwies sich offensichtlich auch das Anspruchsniveau des Unterrichts als zu hoch. Zusätzlich zu diesem Fortgeschrittenenkurs übernahm ich eine Anfängergruppe, bestehend aus zwei jungen Damen der Foundation (Mi Tu und Deborah) sowie einem lokal ansässigen Pastor, Mr. Wirawat, der mit dem Hilfsprojekt zusammenarbeitet. Das Ziel dieser Ausbildung besteht grundsätzlich auch für die Zukunft darin, durch die Bereitstellung entsprechender Fremdsprachenkenntnisse eine erhöhte berufliche Qualifikation für die Teilnehmer/innen zu erreichen, die es ihnen gestatten soll, bei der Betreuung von ausländischen Besuchern und bei administrativen Aufgaben führend im Hilfsprojekt tätig zu sein.

Unterricht 
Mit der von mir bei meiner ersten Tätigkeit bereits betreuten Lerngruppe konnte ich nahtlos an das vorangegangene Unterrichtsprogramm anschließen: das bereits eingesetzte Lehrwerk English For Life wurde weiter verwendet - nach einer kurzen Wiederholungsphase erfolgte der Wiedereinstieg bei Unit 45 des Buches. Die restlichen 35 Einheiten wurden, wie von mir geplant, in der mir zur Verfügung stehenden Zeit abgeschlossen, so dass die inhaltliche Zielsetzung dieses Kurses erreicht wurde. Die Arbeit mit dem Lehrbuch wurde ergänzt durch Materialien aus weiteren Unterrichtswerken, die ich bereits in Deutschland bereitgestellt hatte: 
Michael Swan, Catherine Walter. The Good Grammar Book. Oxford University Press. ISBN 0-19-431519-3. Brigitte Nikolai. Grundwortschatz Englisch nach Themen. übungsbuch. Cornelsen. ISBN 978-3-589-01562-7. Mario Rinolucri. Grammar Games. Cambridge University Press. ISBN 3-12-533832 
Auf die bestehenden Lernerprobleme bin ich bereits bei meinem ersten Bericht ausführlich eingegangen. Erfreuliche Fortschritte konnten bei Hörverstehen, bei Ausspracheschulung und Lesekompetenz erzielt werden. Die sichere Bewältigung einer korrekten Rechtschreibung bereitet den Teilnehmer/innen weiterhin Probleme, was schon daraus ersichtlich wird, dass sie bei Tafelanschriften die Wörter laut buchstabieren - das völlig andere Laut- und Orthographiesystem der Akha-Sprache reflektiert sich bei den hier zutage tretenden Schwierigkeiten sehr deutlich. Allerdings kommt einer makellos beherrschten Schreibkompetenz in dieser Ausbildung nicht der gleiche Stellenwert zu wie den drei anderen Grundfertigkeiten. Nach konsequentem Einüben des Unterschieds zwischen present simple undpresent continuous wurden als wesentliche neue grammatische Strukturen nunmehr das past simple und simple future erarbeitet - für die Kursteilnehmer/innen eine besondere Herausforderung, da die beiden letzteren Zeiten weder in der Akha-Sprache noch im Burmesischen existieren.

Die Beherrschung einer Reihe unregelmäßiger Verben forderte zudem intensives üben sowohl während des Unterrichts als auch in der häuslichen Nachbereitung -eine weitere Festigung in nachfolgenden Unterrichtseinheiten ist dazu unabdinglich. Am schwierigsten erscheint nach wie vor das Erreichen einer insgesamt zufrieden stellend flüssigen Sprechfertigkeit - hier gilt es noch eine Reihe von Hemmschwellen zu überwinden. Die Fähigkeiten, in freier Rede und in zusammenhängenden Sätzen zu formulieren, sind dabei bei den Mitgliedern dieser Lerngruppe unterschiedlich ausgeprägt -die erfreulichsten Fortschritte machte in dieser Hinsicht Ni Ni: sie konnte bereits im Projekt bei den Vorträgen von Gastlektoren zeitweise als Dolmetscherin eingesetzt werden - für sie eine sehr bereichernde Erfahrung, da sie durch die unterschiedlichen Herkunftsländer der Referenten (z.B. USA, Australien, Norwegen) mit verschiedenen Aussprachevariationen der englischen Sprache konfrontiert wurde. Ihre sprachlich-pädagogische Kompetenz sehe ich im Einklang mit den Vorstellungen der Projektleiter inzwischen soweit entwickelt, dass sie während der nun bald beginnenden Regenzeit, in der die Aktivitäten der Foundation weitgehend ruhen, zu einem ersten englischen Sprachtraining für die dortigen Kinder im Grundschulalter eingesetzt werden kann. Sie wird sich dieser Herausforderung zusammen mit Mi Jiu stellen - beide können nach meiner Einschätzung dem in dieser Alters- und Lehrphase begrenzten Anforderungsniveau sowohl durch ihre weitestgehend korrekte Aussprache als auch durch die Beherrschung der geforderten grundsätzlichen Strukturen gerecht werden. Ein altersgemäßes Lehrwerk wurde dazu auf dem thailändischen Markt gefunden.

Mit der zweiten Lernergruppe, bestehend aus Mi Tu, Deborah und Mr Wirawat, alles absolute Anfänger beim englischen Spracherwerb, bewältigte ich die ersten 15 Einheiten des Lehrbuchs. Diese Gruppe verfügte nicht über die gleiche Homogenität wie der Fortgeschrittenenkurs. Neben dem gegebenen Altersunterschied - die beiden jungen Damen sind 20 Jahre alt, Mr Wirawat ist 31 -, war auch ein ethnisch verschiedener Hintergrund gegeben: Mi Tu und Deborah gehören dem Akha-Bergstamm an, Mr Wirawat ist Thailänder. Dies erforderte sowohl differenzierte Lernstrategien bei der Ausspracheschulung (deutliche Unterschiede in der Lautbildung zwischen Akha und Thai!) als auch bei der Erarbeitung grundlegender grammatischer Strukturen. Die ersten Units des von mir in seiner Gesamtkonzeption sehr geschätzten Lehrwerks erscheinen mir dazu durch eine Fülle verschiedener Namen der auftretenden Protagonisten sowie durch den Einbezug einer großen Reihe von Ländern mit ihren entsprechenden Hauptstädten -was wohl den internationalen Charakter des Lehrwerks und seine entsprechende globale Einsetzbarkeit demonstrieren soll, für meine Lernergruppe aber weitgehend irrelevant war -überfrachtet: eine entsprechende Entlastung und Neuformulierung bestimmter Einheiten erachtete ich dazu ebenso als erforderlich wie die Ergänzung vorgegebener Konversationsmuster durch einige wichtige grundlegende Sprechakte. Ein kontinuierlicher Ablauf des Unterrichts wurde zudem durch eine Reihe außerschulischer Verpflichtungen der Studierenden beeinträchtigt - dies erscheint im gegebenen Rahmen unvermeidlich und ist entsprechend zu tolerieren. 

Umfeld und Betreuung 
Wie bei meinem ersten Aufenthalt war ich erneut in einem von den Projektleitern angemieteten Haus, das einige Kilometer entfernt von der Foundation und vom Stadtzentrum gelegen ist, untergebracht. Meine Abholung zum Unterricht per Motorrad oder Pickup erfolgte wieder durch Mr Lung Nong, einem bewährten Mitarbeiter der Foundation. Die Betreuung während meines gesamten Aufenthalts durch Thomas und Esther Albrecht war wie beim ersten Mal vorbildlich, die Zusammenarbeit mit ihnen erwies sich in jeder Hinsicht als völlig problemlos. Ich war durch vorausgehende Informationen bereits darauf eingestellt, dass die klimatischen Voraussetzungen während meiner zweiten Tätigkeit nicht so optimal waren wie bei meinem ersten Einsatz. Besonders im März vor Beginn der Regenzeit herrschen auch in Nordthailand sehr heiße Temperaturen, zudem nehmen die Bauern Brandrodungen in den Wäldern und auf den Feldern vor, sodass sehr häufig eine Dunstglocke, angereichert mit Schadstoffen, über dem Norden des Landes liegt. Rundfunk und Fernsehen warnen zu gewissen Zeitpunkten sogar davor, das Haus aufgrund der gesundheitsschädlichen Luftbelastung zu verlassen. Als ideale Unterrichtszeit können demnach die Monate Oktober bis Mitte/Ende Februar angesehen werden für diesen Zeitraum empfehle ich auch die weiteren dortigen Einsätze von SES-Experten. 

Ausblick und Schlussgedanken 
In einem Gespräch mit den beiden Projektleitern wurden bereits Strategien für eine Fortsetzung des Sprachunterrichts in der Foundation erörtert. Für die Fortgeschrittenengruppe wäre es meines Erachtens nahezu unverantwortlich, die sprachliche Ausbildung in dieser Phase abzubrechen eine Konsolidierung der vorhandenen Grundkenntnisse, ihre Erweiterung durch die Bereitstellung zusätzlicher Strukturen und des entsprechenden Vokabulars an Hand des Folgebandes von English For Life und der entsprechenden Begleitmaterialien erscheint mir ebenso unabdinglich wie die gezielte Schulung der Sprechfertigkeit, auf die im Folgekurs das Schwergewicht zu legen sein wird. Angesichts des hohen Motivationsgrades der Studierenden und ihres dringenden Wunsches nach einer Fortsetzung des Unterrichts sehe ich viel versprechende Erfolgsaussichten für ihre Weiterbildung und daran anschließend sehr gute Chancen für ihren späteren beruflichen Einsatz. Für ebenso bedeutend erachte ich die Fortsetzung des begonnenen "Grundkurses" mit den beiden Akha-Teilnehmer/innen, ergänzt durch einige weitere fortbildungswillige Jugendliche der Foundation. Dies stellt meines Erachtens eine Garantie für eine kontinuierlich langfristige Bereitstellung von Hilfskräften bei der Arbeit in Führungspositionen des Projekts dar. 
Wiederum danke ich Frau Motejl und ihrem Team sowie dem SES als Institution sehr für die übertragung dieses erneuten Einsatzes in Mae Sai und jegliche mir dabei gewährte Unterstützung. Ich fühle mich dem Hilfsprojekt von Thomas und Esther Albrecht inzwischen eng verbunden: gegen den in unserer Gesellschaft so häufig zutage tretenden zutiefst frustrierenden Daseinspessimismus wie auch gegen selbstzufriedenes Wohlstandsdenken setzt HOPE FOR LIFE ein Zeichen aktiven Engagements für Mitmenschlichkeit und für Solidarität mit den ärmsten Randgruppen im Grenzgebiet zwischen Thailand und Myanmar. Die das Projekt tragende religiöse Grundhaltung ist geprägt von überkonfessioneller Toleranz und beeindruckender Glaubenstiefe; sie erweist sich sowohl für die ehemaligen Straßenkinder als auch für die Mitarbeiter der Stiftung als tragende Säule in ihrem Alltag und für die Bewältigung der vor ihnen liegenden Herausforderungen.

Stegaurach, am 8. April 2009

Eberhard Haar
SES-Bonn

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