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Bericht von Peter Grützmacher

Peter Grützmacher
Senior Expert
Englischlehrer in Mae Sai, Dezember 14, 2007

Projekt: TH HOPEE / 4200-07-660
4. November bis 14. Dezember 2007


Voraussetzungen

Die NGO Hope For Life hatte für Ihr Projekt in Mae Sai, Thailand, einen Englischlehrer angefordert, der künftigen Führungskräften der Organisation die Grundlagen der Englischen Sprache beibringen sollte. Wer die verschiedenen Projekte von Hope For Life sehen konnte, wird mir beipflichten, dass es sich hier um ein sehr unterstützenswertes und bestens geführtes Projekt handelt und dass es sehr wünschenswert ist, dass immer mehr einstige "Kinder" dieses Projektes in die Rollen hineinwachsen, die im Moment noch von auslandischen Experten und Helfern eingenommen werden. Besonders für den Kontakt zum Ausland brauchen diese Ehemaligen Kenntnisse in Englisch, und dafür habe ich mich (zurückschauend sehr gern) zur Verfügung gestellt.

Unterricht

Die Bedingungen, unter denen ich unterrichten konnte, waren optimal: für die 7 Schüler stand ein kühler Lehrraum mit 7 Computern zur Verfügung, Tischen und Stühlen, ein Beamer hätte auch besorgt werden können, einen CD-Player habe ich spontan gekauft und hoffe auf Erstattung. Wir konnten jederzeit ungestört arbeiten.

Es haben anfänglich 4 junge Damen und 3 ebenso junge Herren teilgenommen, eine junge Dame schied im Laufe der Kurses aus. Die anderen kamen jeden Tag pünktlich zum Unterricht, d.h. wenn wir um 8 Uhr beginnen wollten, kamen sie spätestens um 7.30, setzten sich an die Computer oder bereiteten sich anderweitig auf den Unterricht vor. Alle kamen jeden Tag aus Tachilek in Burma, wo sie in einem Heim lebten, weil sie in den Dörfern ihrer Eltern (alle gehoren dem Stamm der Akha an) nicht die ihnen entsprechende Ausbildung bekommen können. Die Akha werden weder von Thailand noch von Myanmar als Staatsbürger anerkannt, haben daher auch kaum Bildungs- und Ausbildungschancen. Hier liegt das grosse Verdienst von Hope For Life. - Leider hatten die meisten von ihnen doch schon auf dem einen oder anderen Wege etwas Englisch gelernt. Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich ihre Englischkenntnisse mit MINUS 1 einstufen, weil der Englischunterricht in Burma jeder Beschreibung spottet: Theoretisch besteht für alle burmesischen Kinder 10 Jahre Schulpflicht und der Stundenplan sieht vor, dass von der ersten Klasse an jedem Tag eine Stunde Englisch unterrichtet wird (Schulbücher in den Naturwissenschaften sind in Englischer Sprache verfasst!!!). Da kaum ein burmesischer Lehrer Englisch, geschweige denn Englisch unterrichten kann, beschränkt sich das Ergebnis langjährigen Unterrichts auf das Buchstabieren und die Zahlen bis 10 Tausend - das braucht man, denn 1 US Dollar entspricht etwa 1.200.- Kyatt. - Taucht nun im Unterricht ein Wort auf, das in seiner Lautung einem Wort nahe kommt, dem die Schüler in ihrem früheren Unterricht schon einmal begegnet sind, z.B. "breakfast", dann beginnt die mühlselige Arbeit, aus "be-fe" so etwas wie die Morgenmahlzeit zu machen. Prinzipiell sind alle Laute der englischen Sprache den Schülern beibringbar (anders als bei den Zugbegleitern der Deutschen Bahn AG), aber man muss bei der Aussprachekorrektur viel Geduld mitbringen. Daher ist der Lernfortschritt auch nicht so ausgefallen, wie ich mir das anfänglich vorgestellt hatte. Da aber guter Wille von beiden Seiten vorhanden war, haben wir doch etwa ein Drittel des Ideal- Pensums erreicht.

Lehrmaterial

Das mir von Oxford University Press vorgeschlagene und vom SES angeschaffte Lehrwerk "English For Life" ISBN 978 0-19-430631-7 mit Lehrer- und Schülerbuch, Workbook, Audio CD für den Unterricht, CD Rom fur die Computer, zusatzlichen Tests auf CD und vielem aus dem Internet herunterzuladenden weiteren Material, hat sich sehr bewahrt, besonders wegen seiner Methodenvielfalt. Ein Unit sollte in einer Schulstunde zu bewältigen sein, hier habe ich in 120 Stunden 36 Units erarbeitet und bin damit unter den gegebenen Umständen (s.o.) zufrieden. Ich habe mich, auch im Hinblick auf weiteren Unterricht, der den Schülern hoffentlich erteilt wird, strikt an das Lehrwerk gehalten und besonders auf die Aussprache geachtet, besondere übungen dazu eingeschaltet und immer wieder auf die typischen Fehler hingewiesen. 
Die Mängel des Lehrwerks (unnötige nicht-englische Namen, Fehlen einiger Teile des Schulerbuchs im Lehrerbuch, Voraussetzen von hier nicht üblichem Wissen - Eiffel Tower, Opera House, punctual, cheers! - ) sind minimal; ich kann das Lehrwerk unbedingt zur weiteren Schulung dieser Schüler empfehlen. - Abgesehen von Paralleltexten zur Leseübung und zusätzlichen selbst verfassten übungen zur Aussprache habe ich keine weiteren Materialien benutzt. Wohl aber habe ich alle interaktiven übungen des Lehrwerks ausgiebig in den Unterricht eingebracht: die Schüler beherrschen diese übungsformen. In der spontanen Situation kommt es allerdings leider noch oft vor, dass alte Gewohnheiten wie

What's your mobile number? - No have, 
oder
Can you come tomorrow? - Can do.

wieder durchkommen, und daher ist es unbedingt notwendig, dass den Schülern Gelegenheit gegeben wird, das Gelernte zu festigen und zu erweitern.


Empfehlungen:

Ich möchte daher empfehlen, dass der Unterricht so bald wie möglich fortgesetzt wird, und zwar mit dem selben Lehrwerk (alle Materialien und die technischen Voraussetzungen sind vorhanden, die übungsformen sind erarbeitet und werden beherrscht) und wenn möglich mit den selben Schülern, die diesen 6-wöchigen Intensivkurs mitgemacht haben. Dem Leiter von Hope For Life, Herrn Thomas Albrecht, habe ich all dieses vorgetragen, in englischer Sprache schriftlich übergeben und ihm die Lehrmaterialien und den CD-Player überlassen. Er konnte mir leider noch nicht sagen, wer den Kurs fortführen wird. 
Dazu wäre es empfehlenswert, wenn ein ausgebildeter Lehrer, auf alle Fälle kein Thailänder oder Burmese (diesen "sprachlichen Landsleuten" der Schüler sind die Ausspracheprobleme nicht so bewusst), den Unterricht übernehmen würde. Wenn der Unterricht nicht richtig, nicht bald oder überhaupt nicht fortgeführt wird, sehe ich die Gefahr, dass alles Erreichte wieder verschwindet.

Verbesserungswürdig waren auch die Unterrichtszeiten: Wir haben 4 Stunden am Stück gearbeitet , von 8 bis 12 Uhr. Das ist nicht optimal, ist aber wohl wegen der An- und Rückfahrt der Schüler -jeweils 45 Minuten mit dem Fahrrad von jenseits der Grenze - schlecht anders zu organisieren. Trotzdem (und weil Herr Dr. Reihlen, der den Computerkurs vor mir geleitet hat, ähnliches fordert): Eine Verteilung der 4 Stunden über den ganzen Tag wäre wesentlich besser. Ich habe auch den Eindruck, dass die Schüler sich in der zweiten Tageshälfte nicht richtig erholen und Hausaufgaben machen können; die 4 Stunden im Klassenraum und zusätzliche Hausaufgaben sind für Menschen dieses Alters genug Arbeit. Vielleicht bringt der neue Campus von Hope For Life, auf dem auch der Sprachunterricht stattfinden wird, eine Möglichkeit, den Unterricht auf den ganzen Tag zu verteilen.

Fotos

Ich füge einige Fotos aus meinem Unterricht bei, die Herr Albrecht gemacht hat, dazu einige Bilder, die meine Schüler in ihren Heimatdörfern zeigen. Leider war es mir wegen der politischen Lage nicht möglich, die Schüler dort zu besuchen.


Finanzierung meines Projekts durch die TUI-Stiftung

Thailand, wo ich meinen Englischkurs gehalten habe, gehört erfreulicherweise nicht zu den armen Ländern der Region, es werden daher in der Regel auch keine staatlichen Entwicklungshilfe-Aufgaben für dieses Land bewilligt. Myanmar, woher meine Schüler jeden Tag mit dem Fahrrad über die Grenze kamen, fällt aus politischen Gründen leider durch das Raster, das die Bedingungen für dringend notwendige Hilfe stellt. Die ethnische Gruppe der Akha, der die Stiftung Hope For Life so wichtige Hilfe leistet, lebt beiderseits der Grenze zwischen diesen beiden Ländern; die Akha werden von "ihren" Regierungen in jeder Hinsicht benachteiligt, kommen andererseits auch nicht in den Genuß einer Förderung durch Drittlander. 
Es ist der TUI-Stiftung sehr hoch anzurechnen, daß sie diese prekäre Situation erkannt und in unbürokratischer Weise diesen Kurs sowohl personell als auch durch Finanzierung von Lehrmaterial gefördert hat. Dafür möchte ich mich auch im Namen der Kursteilnehmer ganz herzlich bedanken. Für die Betroffenen wäre es ein Segen, wenn dieses Projekt fortgeführt werden könnte.

Persönliches

Für mich persönlich war der Kurs ein reines Vergnügen. Ich bedanke mich bei Frau Motejl und dem SES fur die übertragung dieser Aufgabe, für die Bereitstellung des Lehrmaterials, und bei Herrn Albrecht für die Erledigung der (auch schon manchmal mit etwas Nachdruck vorgetragenen) Wünsche. Die Unterkunft war ausreichend, sehr günstig dadurch, dass ich in dem Gebäude untergebracht war, in dem auch die Computer aufgestellt waren und der Unterricht gehalten wurde, was meine Vor- und Nachbereitungsaufgaben sehr erleichtert hat. Für weitere Auskünfte stehe ich sehr gern zur Verfügung.


Peter Grützmacher
Experte des Senior Expeten Service-Bonn

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