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Hr. Haar: Englischkurse 2010/11
GruppenfotoDas Projekt: Hope for Life – Hoffnung für Menschen in Not

 Am 25. November 2010, dem 1. Tag nach meiner Ankunft in Mae Sai, fragte mich der Reporter des ZDF-Teams, das für das Morgenmagazin „Sonntags“ einen Film über das Projekt HOPE FOR LIFE drehte, was mich denn nunmehr schon zum 4. Mal die weite Reise von Bayern nach Nordthailand antreten ließ, um hier ehemaligen Straßenkindern Englischunterricht zu erteilen. Die Antwort fiel mir sehr leicht: meine Begeisterung für das von Thomas und Esther Albrecht initiierte Projekt ist ungebrochen, meine Faszination für diese in meinen Augen großartige humanitäre Leistung hat im Laufe meiner verschiedenen Aufenthalte sogar noch zugenommen, und ich bin zutiefst davon überzeugt, dass diese Form karitativen Engagements weiterhin jede nur denkbare Unterstützung verdient.

Auf Grund seiner familiären Situation – wenige Wochen vor meiner Ankunft wurde das erste Kind von Thomas und Esther geboren, Esther Albrecht war deshalb bis Februar 2011 noch mit dem Sohn in Deutschland – konnte Thomas im November nur 10 Tage in der Foundation und in Chiang Mai bei der Projektbetreuung präsent sein. Seine längerfristige Abwesenheit zeitigte für die Betreuung seiner Schützlinge jedoch keinerlei negative Konsequenzen, denn es war ihm gelungen, in Thep Thai einen Stellvertreter zu finden und einzustellen, der ihn in jeder Hinsicht ausgezeichnet vertrat. Thep, vom Stamm der Lahu, in einem Dorf in der Nähe von Chiang Rai ansässig, verfügt über gute Englischkenntnisse, ist versiert im Umgang mit dem Computer, strahlt Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus und war mir während meines gesamten Einsatzes ein stets verlässlicher Ansprechpartner. Zudem sind Deborah und Mi Tu, zwei meiner ehemaligen Schülerinnen, nunmehr fest in der Foundation angestellt und mit begeisterter Hingabe um das Wohl ihrer Schützlinge besorgt. Auch auf ihre Unterstützung konnte ich jederzeit zählen, so dass ich mich wieder bestens in das Hilfsprojekt eingebunden fühlte. Im Februar 2011 kehrte dann das Ehepaar Albrecht mit Sohn Joshua nach Mae Sai zurück und fand das bei ihrer Abreise verlassene Feld bestens bestellt vor.

Während meines ganzen Aufenthalts war ich in gutem Kontakt zu drei deutschen Jugendlichen, die hier ein Jahr lang ihren Wehrersatzdienst leisteten: Basti, Chris und Steffen waren in der Foundation untergebracht, wurden dort verpflegt und unterrichteten Englisch in umliegenden Dorfschulen. Da wir gemeinsam zu Mittag aßen, kam es zu einem regen Gedankenaustausch, häufig auch über methodische Fragen der Unterrichtsgestaltung. Ihre Arbeitsbedingungen erwiesen sich alles andere als einfach – wenn ihre vom Ablauf  ihres Unterrichts geschilderten Eindrücke für die pädagogische Situation landesweit aussagekräftig sind, bekommen die in der thailändischen Presse in schöner Regelmäßigkeit veröffentlichten Appelle zur Qualitätssteigerung in den Schulen zusätzliche Brisanz. Meines Erachtens werden jedoch alle geplanten Seminare, Fortbildungsveranstaltungen, Symposien und die damit projektierten methodisch-didaktischen Impulse zur Verbesserung der Situation ergebnislos bleiben, wenn das persönliche Engagement der Lehrkräfte vor Ort nicht optimal ausgeprägt ist und  keine langfristig geplante und in ihrer Zielsetzung genau definierte pädagogische Linie vorgegeben wird. Die Erfahrungsberichte der drei „Volunteers“ machten mir in vieler Hinsicht das Privileg deutlich, das meine Lernergruppe durch einen zielorientierten, sorgfältig konzipierten und regelmäßig stattfindenden Unterricht genoss.

Meine Lehrtätigkeit

Zielsetzung

Einige Zeit vor Antritt meiner erneuten Tätigkeit in Mae Sai war ich vom Projektleiter dahingehend informiert worden, dass ich die von mir in meinem vorhergehenden Einsatz betreute Schülergruppe fortzuführen hätte. Diese Zielsetzung erwies sich jedoch bei meiner Ankunft als obsolet, da die Teilnehmer/innen meines früheren Unterrichts inzwischen berufsmäßig anderweitig fest eingebunden waren: Deborahs und Mi Tus tägliche Aufgaben in der Foundation erwiesen sich als „full-time jobs“, die keine Freiräume für meinen Sprachunterricht mehr boten. Fon, die bereits vorher für die ehemaligen Straßenkinder im Projekt gekocht hatte, arbeitete nunmehr als Köchin in einer Bible School und hat damit einen ersten Schritt zur Verwirklichung ihres Lebenstraums getan, einmal selbst ein kleines Restaurant zu führen. Der handwerklich sehr geschickte Asa fand eine Anstellung in einem Geschäft in Mae Sai – so erfreulich diese Entwicklung einerseits ist, da sie nachdrücklich den Erfolg der Projektarbeit unter Beweis stellt, so nachteilig erwies sich diese Fluktuation andererseits in diesem Fall für die Intention der Projektleitung, alle Teilnehmer/innen gerade dieser für den Englischunterricht „handverlesenen“ Gruppe ehemaliger Straßenkinder zielgebunden für die künftige Arbeit in der Foundation zu gewinnen.
Von der erwähnten Schülergruppe verblieb somit lediglich PoLu als Teilnehmer für den avisierten Fortsetzungskurs – da er aber über die geringsten Englischkenntnisse aller damaligen Teilnehmer verfügte und sich seinerzeit dem geforderten Niveau kaum gewachsen zeigte, wurde er nunmehr in die neue Anfängergruppe, die man für mich zusammengestellt hatte, integriert, wobei sich die Wiederholung der elementaren Strukturen und der erneute Aufbau von Grundwissen  für ihn als ausgesprochen positiv erwiesen. So konstituierte sich meine neue Lernergruppe aus zwei jungen Herren: dem erwähnten PoLu und Joseph sowie vier jungen Damen: BuBa, BuAw, BuSoe und Nan Shing Tip. Im Gegensatz zu früheren Konstellationen, bei denen altersmäßig eine Spannweite von 16 bis 24 Jahren gegeben war - die einmal durch die Aufnahme eines von außerhalb kommenden älteren Pastors sogar noch größer war – fand ich dieses Mal eine absolut homogene Gruppe im Alter von 18 und 19 Jahren vor: ein in vieler Hinsicht pädagogisch entscheidender Vorteil im Vergleich zu meinen vorangegangenen Einsätzen.

Unterricht

Nicht nur die altersmäßige Homogenität der Gruppe trug wesentlich zum Lernerfolg und zur weitgehenden Realisierung der von mir gesetzten Lernziele bei, es war vor allem der ausgesprochen hohe Motivationsgrad der Teilnehmer/innen, der den täglichen Unterricht zum Vergnügen für mich werden ließ. Anders als bei meinen früheren Einsätzen fand dieser nicht am Vormittag, sondern ab 13.00 Uhr nachmittags statt, da die Mehrzahl der Schüler/innen morgens eine Bible School besuchte. Nach vierstündiger Bibelarbeit am Vormittag nachmittags noch einen mehrstündigen Anfangsunterricht in Englisch zu absolvieren, bedeutet mit Sicherheit keine geringe Herausforderung – erstaunlich für mich war, mit welcher Hingabe und Begeisterung sich meine Gruppe dieser Aufgabe stellte. Der vorgegebene Zeitrahmen von drei Zeitstunden musste allerdings entsprechend flexibel gestaltet werden, da sich des öfteren bereits nach etwas über zwei Stunden verständlicher Weise Ermüdungserscheinungen und Konzentrationsschwächen zeigten. Wie sehr mein Plädoyer für einen Morgenunterricht pädagogisch sinnvoll gewesen war, erwies sich mit der entsprechenden Verlagerung der Stunden ab 20. Dezember (mit Beginn der Bible School Ferien) von 13.00 Uhr auf 9.00 Uhr morgens: die erheblich gesteigerte längerfristige Aufnahmefähigkeit neuer Inhalte ermöglichte längere Unterrichtsphasen und die Bewältigung eines umfangreicheren Stoffpensums. So konnte ich mit dem wieder verwendeten Lehrbuch English For Life und den entsprechenden Zusatzmaterialien 40 Lektionen, d.h. die Hälfte des Buches inklusive aller Übungen bewältigen – dies ging über meine Erwartungen hinaus, was die projektierte Stofffülle betraf. Die Souveränität, mit der eine Vielfalt vorgegebener und von mir zusätzlich ausgearbeiteter Übungsformen bearbeitet wurde, überraschte mich. Das größte, schon in meinen vorhergehenden Berichten angesprochene Problem in Bezug auf einen befriedigenden Lernerfolg bleibt nach wie vor das Erreichen einer ausreichend ausgeprägten kommunikativen Kompetenz. Die damit verbundenen Schwierigkeiten habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich dargestellt. 
Folgendes Beispiel mag dazu dienen, die Begeisterung meiner Schüler/innen für den ihnen gebotenen Unterricht zu demonstrieren: ein Schlechtwettereinbruch am 11. Januar brachte Mae Sai einen ganz Tag lang, absolut ungewöhnlich für diese Jahreszeit, strömenden Regen. Ich hatte das Privileg, nicht wie üblich mit dem Motorrad von meinem Domizil abgeholt zu werden, sondern wohlgeschützt im bequemen Auto zur Foundation gefahren zu werden – meine Schüler/innen jedoch radelten 1 ½ Stunden mit aufgespanntem Regenschirm von der burmesischen Grenze zum Ort des Unterrichts und trafen völlig durchnässt, aber durchaus wohlgemut dort ein! Wie sehr könnte dies manchen im negativen Sinn „hochmotivierten“ gymnasialen deutschen Oberstufenschülern als Vorbild dienen!

Umfeld und Betreuung

Die für mich neue Tatsache der nahezu permanenten Abwesenheit der beiden Projektleiter während meines Einsatzes stellte mich im Verlauf meiner gesamten Tätigkeit vor keinerlei Probleme. Das kleine Haus, in dem ich untergebracht war, wurde einmal in der Woche von einer Mitarbeiterin geputzt, der Transport zur 8 km entfernten Foundation erfolgte gewöhnlich per Motorrad absolut zuverlässig und pünktlich durch Thep Thai, um Frühstück und Abendessen kümmerte ich mich selbst, mittags aß ich entweder in der Foundation zusammen mit den drei Volunteers, wobei uns die Köchin PiLu mit ihren schmackhaften und abwechslungsreich zubereiteten Thai-Gerichten verwöhnte, oder ich ging in eine der lokalen Garküchen und zuweilen in das Restaurant des nahegelegenen Supermarkts Tesco Lotus, der auch sämtliche weiteren Versorgungsmöglichkeiten bot.

Ausblick und Schlussgedanken

Die ehemaligen Straßenkinder von HOPE FOR LIFE wachsen heran. Sie werden mit großer Liebe weiter betreut und umsorgt, bis sie um ihr 15./16. Lebensjahr in den Lebensalltag entlassen werden können – als neue Menschen mit hoffnungsvollen Zukunftsperspektiven, denn die Projektleitung wird sich auch um eine künftige Arbeitsstelle für sie kümmern. Jedes einzelne Schicksal, mit dessen Hintergrund ich inzwischen vertraut bin, erscheint mir dabei als Symbol der Hoffnung in einer oft hoffnungsarmen Zeit, ja fast als ein Wunder, das durch tätige Nächstenliebe vollzogen wurde.
Die in meinem letzten Bericht angesprochenen Herausforderungen für Thomas und Esther Albrecht bleiben weiter bestehen. Als wahrer Glücksfall erwies sich dabei die Einstellung von Thep Thai, dessen Mitarbeit eine große Entlastung für die Verantwortlichen bedeutet. Selbige wird zudem in vieler Hinsicht durch Deborah und MiTu gewährleistet. Bewundernswert ist die Zuversicht, mit der sich Thomas und seine Frau der Bewältigung vielfältigster Alltagsprobleme stellen; dabei erschließen sich durch die zutiefst bedrückende Notlage der Kinder der Akha und weiterer Bergvölker im Grenzbereich Thailand-Myanmar-Laos immer neue Aufgabenfelder, die einer Lösung harren und mit denen sich Thomas auf seinen Reisen konfrontiert sieht. Nicht zu unterschätzen sind auch die finanziellen Sorgen, um das Projekt, das einzig und allein auf Spenden angewiesen ist, am Leben zu erhalten und dabei mit einem geringen Budget eine adäquate Versorgung der Kinder sicherzustellen, wobei seit meinem letzten Aufenthalt im Februar 2010 der Euro im Vergleich zum thailändischen Baht  einen Wertverlust von etwa 20% erfahren hat, was sich insofern sehr gravierend auf die finanzielle Situation der Foundation auswirkt, als die meisten Spendengelder aus Deutschland einlaufen.
Ich möchte mich im Rahmen meiner Möglichkeiten weiter für diese so segensreiche Initiative einbringen. Meine jetzige Lernergruppe erwartet meine Rückkehr im November 2011, damit ich den noch nicht behandelten Stoff des Lehrbuchs – 40 Lektionen – mit ihr zum Abschluss bringe. Die mir erwiesene Zuneigung und die gezeigte Lernbegeisterung dieser jungen Menschen machen diesen erneuten Einsatz für mich geradezu zu einer Verpflichtung, der ich gerne nachkommen will.
Ich danke dem SES für die erneut optimale Betreuung bei der Vorbereitung und Durchführung meines 4.Einsatzes in Mae Sai.

Stegaurach, den 20. März 2011

Eberhard Haar

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